Schmerzen ohne Befund: warum sie trotzdem real sind

Eine Frau sitzt nachdenklich auf einem Baumstumpf im Freien

Vielleicht kennst du das: Du hast Schmerzen, oft schon lange, und trotzdem findet keine Untersuchung etwas, das sie richtig erklärt. Das ist verwirrend, und für viele Menschen ist es auch verletzend, weil sich leicht das Gefühl einschleicht, man werde nicht ernst genommen. Dabei ist der Schmerz da, jeden Tag.

Schmerz ist mehr als ein Schaden im Gewebe

Lange wurde Schmerz vor allem als Warnsignal verstanden: Irgendwo ist etwas kaputt, der Körper meldet es. Das stimmt oft, aber es ist nicht die ganze Geschichte. Heute geht die Forschung davon aus, dass Schmerz im Nervensystem entsteht und dort verarbeitet wird, und dass viele Faktoren mitbestimmen, wie stark er sich anfühlt. Dazu gehören Anspannung, Schlaf, Stress, frühere Erfahrungen und auch die Frage, wie sicher oder bedroht sich dein System gerade fühlt.

Das bedeutet nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Im Gegenteil. Er ist eine reale Erfahrung, die im Körper stattfindet. Nur ist sein Ursprung oft komplexer als ein einzelner kaputter Punkt, den man auf einem Bild finden könnte.

Warum Schmerzen bleiben können

Wenn Schmerz über Wochen und Monate anhält, kann das Nervensystem empfindlicher werden. Reize, die früher harmlos waren, werden dann eher als schmerzhaft eingestuft. Fachleute sprechen manchmal von einem Schmerzgedächtnis. Vereinfacht gesagt: Das System hat gelernt, schneller Alarm zu schlagen, und kommt von selbst nicht mehr so leicht zur Ruhe.

Das klingt erst einmal entmutigend. Es steckt darin aber auch eine gute Nachricht: Was gelernt wurde, kann sich auch wieder verändern. Nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt.

Was dir helfen kann, wieder handlungsfähig zu werden

Bei anhaltenden Schmerzen geht es oft weniger darum, den Schmerz mit aller Kraft wegzudrücken, und mehr darum, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen. Das kann ein langsamer Weg sein, und er sieht für jeden Menschen anders aus. Ein paar Dinge, die vielen guttun:

  • In Bewegung bleiben, in einem Maß, das sich machbar anfühlt, statt aus Angst vor Schmerz alles zu vermeiden.
  • Das Nervensystem immer wieder in ruhigere Zustände bringen, zum Beispiel über Atmung, Pausen und Dinge, die dir Sicherheit geben.
  • Verstehen, was im Körper passiert, denn Wissen nimmt oft einen Teil der Angst.
  • Geduld mit dir selbst, weil Veränderung Zeit braucht und Rückschritte dazugehören.

Und die psychosomatische Physiotherapie?

In der psychosomatischen Physiotherapie arbeiten wir nicht gegen den Schmerz an, sondern daran, dass dein Nervensystem wieder leichter zur Ruhe findet und du dich Stück für Stück sicherer in deinem Körper fühlst. Das geschieht immer ergänzend zur ärztlichen Behandlung und auf Verordnung, nicht an ihrer Stelle. Für viele Menschen ist es entlastend, den eigenen Schmerz endlich anders einordnen zu können und einen Weg zu finden, wieder mehr am Leben teilzunehmen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltenden oder ernsten Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Ida Hameete, Physiotherapeutin

Geschrieben von Ida Hameete, Physiotherapeutin mit Spezialisierung auf psychosomatische Physiotherapie. Ich begleite Menschen mit Stress, Erschöpfung und chronischen Schmerzen, im Therapiewald Freirachdorf und in der Praxis in Mogendorf.

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